Natürlich NIMZO! Was denn sonst? – von Thomas Luther und Jürgen Jordan (Chessbase)

Natürlich NIMZO! Was denn sonst? – von Thomas Luther und Jürgen Jordan (Chessbase)

• Trainings-Videos: 4 Stunden 25 Minuten
• Interaktiver Abschlusstest mit Videofeedback 
• Datenbank mit 131 ausgewählten Musterpartien
• Mit CB 12 – Reader

 

Die Nimzoindische Verteidigung ist kein unbeschriebenes Blatt! Sie ist eine der beliebtesten Verteidigungen des Schwarzen auf 1.d4 und bietet mit zahlreichen Abspielen und positionellen Ideen, eine Basis für ein breites Repertoire in dieser Eröffnung. Auf der DVD “Natürlich NIMZO! Was denn sonst?” erklären GM Thomas Luther und Vereinsspieler Jürgen Jordan diese Eröffnung aus schwarzer Sicht und präsentieren damit gleichzeitig eine schwarze Repertoireempfehlung!

Die DVD besteht aus drei Teilen. Einer Datenbank mit Partien, einem theoretischen Teil und einem Test. Der Test beinhaltet satte 22 Stellungen, in denen Ihr Wissen gefragt ist. Die Stellungen stammen aus tatsächlich gespielten Partien und Sie müssen sich in die Lage des Spielers versetzen und den richtigen Weg finden! Abhängig von Ihrer Antwort erhalten Sie dann von den Autoren eine Erklärung, warum Ihr gewählter Zug gut bzw. schlecht sei.

Der theoretische Teil umfasst sämtliche Abspiele der Nimzoindischen Verteidigung und geht zudem noch auf die 3.Sf3-Variante ein, in denen Weiß auf den klassischen Nimzoinder verzichtet. Wenn Weiß dies macht, muss er in der Regel auf die Bogoindische Verteidigung, die Damenindische Verteidigung und das Damengambit gefasst sein. Letzteres ist die Empfehlung der beiden Autoren für Schwarz! Insgesamt zieht sich dieser “Damengambit-Aufbau” mit …d5 und …c5 durch die gesamte DVD und wird in der Regel empfohlen, wobei anzumerken ist, dass gegen einige Abspiele die Hauptvarianten bzw. bewährte Systeme gewählt wurden, wenn …d5/…c5 nicht als effektiv gilt (z.B. Leningrader Variante). In gewisserweise schlägt diese DVD eine Brücke zwischen den Spielern, die 1.d4 mit 1…d5 und 1…Sf6 beantworten, da man so den Umstieg von 1…d5 auf Nimzoindisch erleichtert und zugleich Eröffnungen wie Bogoindisch, Damenindisch ausschließt und sich stattdessen auf eine feste Bauernstruktur im Zentrum (…d5/…c5) konzentriert. Jene Spieler, die jahrelang das orthodoxe Damengambit mit Schwarz gespielt haben und gerne erweitern möchten, sind hier an der richtigen Stelle. Allerdings kann ich sagen, dass die Analysen nicht sehr tief gehen. Die Beispielpartien überzeugen, werden allerdings nicht so tief besprochen, als dass man damit alleine in höheren Ligen gewappnet sein dürfte (~2100+). Für den Einstieg reicht das auf alle Fälle. Wer jedoch tiefer schürfen möchte, sollte sich noch einmal die Videos ansehen und etwas nachforschen.

Das Konzept Meister gegen Amateur ist schon länger bekannt. In der Literatur wurden hierbei häufig Partien präsentiert, die zeigten, wie der Meister das Spiel des “Amateurs” bestraft und seine Schwächen ausnutzt. Das Konzept dieser DVD Meister und Amateur verfolgt ein ähnliches Prinzip, nur verzichtet man hier – salopp gesagt – auf eine Tracht Prügel und kooperiert, um ein Thema zu erschließen. Hierbei werden von Herrn Jordan immer wieder typische Fragen aufgeworfen und die Sichtweise aus Amateursicht gezeigt, während der Großmeister fundierten Rat gibt und Licht ins Dunkel bringt. Dadurch entsteht eine Lernsituation, wie sie auch in einer normalen Trainingseinheit zwischen einem Anfänger und Großmeister stattfinden könnte.

Die beigefügte Datenbank hilft, sich anhand von Referenzpartien ein Gespür dafür zu schaffen, wo die Figuren in der Regel hingehören und wie die typischen Stellungsbilder zu behandeln sind. Im Folgenden noch ein Auszug des theoretischen Teils der DVD, damit Sie sich noch ein besseres Bild über die empfohlenen Abspiele machen können.

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4
Datenbank: Nimzo-Partien
01: Klassiker 1 – Reti,R – Nimzowitsch,A
02: Klassiker 2 – Capablanca,J – Nimzowitsch,A
03: Klassiker 3 – Bogoljubow,E – Nimzowitsch,A
04: Rubinstein-Variante 1 – 4.e3 0-0 5.Ld3 d5 6.Sf3 c5 7.0-0 Sc6 8.cxd5 – Mastrovasilis,A – Korobov,A
05: Rubinstein-Variante 2 – 4.e3 0-0 5.Ld3 d5 6.Sf3 c5 7.0-0 Sc6 8.a3 – Nakamura,H – Ponomariov,R
06: Rubinstein-Variante 3 – 4.e3 0-0 5.Sge2 – Le Quang,L – Karjakin,S
07: Saemisch a3 – 4.a3 Lxc3 5.bxc3 c5 6.e3 0-0 – Svidler,P – Kramnik,V
08: Saemisch f3 – 4.f3 d5 5.a3 Lxc3 6.bxc3 c5 7.cxd5 exd5 – Anand,V – Carlsen,M
09: Sf3-System Lg5-h4 – 3.Sf3 d5 4.Sc3 Lb4 5.Lg5 h6 6.Lh4 – Sokolov,I – Hou,Y
10: Sf3-System Lg5xf6 – 3.Sf3 d5 4.Sc3 Lb4 5.Lg5 h6 6.Lxf6 – L’Ami,E – Giri,A
11: Sf3-System cxd5 – 3.Sf3 d5 4.Sc3 Lb4 5.cxd5 – Lysyj,I – Aronian,L
12: Sf3-System Da4 – 3.Sf3 d5 4.Sc3 Lb4 5.Da4 – Nakamura,H – Mamedyarov,S
13: Romanishin-System – 4.g3 – Ernst,S – Movsesian,S
14: 4.Dc2 1 - 4.Dc2 d5 5.Sf3 dxc4 6.Lg5 b5 – Mamedyarov,S – Carlsen,M
15: 4.Dc2 2 – 4.Dc2 d5 5.cxd5 exd5 – Matlakov,M – Eljanov,P
16: 4.Dc2 3 – 4.Dc2 d5 5.a3 Lxc3 – Hambleton,A – Agdestein,S
17: Leningrader 1 – 4.Lg5 c5 5.d5 h6 6.Lh4 d6 7.e3 exd5 8.cxd5 Sbd7 9.Ld3 – Grachev,B – Naiditsch,A
18: Leningrader 2 – 4.Lg5 c5 5.d5 d6 6.e3 exd5 7.cxd5 Sbd7 8.Lb5 – Korobov,A – Kramnik,V
19: Leningrader 3 – 4.Lg5 h6 5.Lh4 c5 6.d5 d6 7.e3 exd5 8.cxd5 Sbd7 9.Lb5 – Ponomariov,R – Meier,G
20: Nebenvarianten 1 – 4.Ld2 / e4 / Lf4 – Stern,R – Almasi,Z
21: Nebenvarianten 2 – 4.Db3 / Dd3 – Sanikidze,T – Romanov,E
22: Zug um Zug – Wells,P – Giri,A

Abschließend kann ich sagen, dass die DVD gut konzipiert ist, sich aber eher an schwächere Spieler  richtet, die einen Einstieg in die Nimzoindische Verteidigung suchen und hierbei noch kein komplettes Repertoire vorweisen können. Die Varianten sind gut gewählt und bestechen durch Systematik. Der Lernende bekommt dadurch meist einen Bauernstellungstyp vorgelegt und hat die Chance, in diesem Erfahrungen zu sammeln und sein häusliches Studium zur Geltung zu bringen.

 

Lukas Wedrychowski

DailyChess.org – www.dailychess.org

The ABC of the English Opening – Lorin D’Costa (Chessbase)

The ABC of the English Opening – Lorin D’Costa (Chessbase)

• Trainings-Videos: 7 Stunden (Englisch)
• Interaktiver Abschlusstest mit Videofeedback 
• Datenbank mit 58 ausgewählten und überwiegend kommentierten Partien
• Mit CB 12 – Reader

Die Englische Eröffnung gilt seit jeher als ein Mittel des Stärkeren, um seinen Kontrahenten zu überspielen. Das interessanteste Merkmal der Englischen Eröffnung aus Sicht des Stärkeren Spielers dürfte sein, dass sehr viele Zugumstellungen möglich sind und die Partie selbst nach 1.c4 noch entweder in manch 1.e4- sowie 1.d4-Abspiele überleiten kann. Das hängt meist von Schwarz ab, wie er sich aufbaut, aber auch von Weiß, wie er den Ein oder Anderen Aufbau bekämpfen möchte. Auf seiner DVD “The ABC of the English Opening” gibt der Autor Lorin D’Costa dem Weißspieler ein komplettes Repertoire mit auf den Weg und beschränkt sich hierbei somit nicht auf typische Englisch-Systeme …e5 und …c5, sondern weitet das Repertoire auch auf Königsindisch, Grünfeld, sowie Anti-Damengambit Systeme aus.

Damit Sie sich einen besseren Überblick über den Aufbau und die Struktur der DVD machen können, möchte ich Ihnen das Inhaltsverzeichnis nicht vorenthalten:

Database: Essential Games
01: Introduction
1.c4 e5 Lines:
02: Game 1 – Main Line 6.e3 – Nakamura,H – Navara,D
03: Game 2 – reversed Sicilian: 2.g3 Nf6 3.Bg2 Nc6 4.Nc3 Bb4 5.Nd5 – D’Costa,L – Gantner,M
04: Game 3 – reversed Sicilian: 2.g3 Nc6 3.Nc3 Bc5 4.Bg2 d6 5.e3 a6 6.Nge2 Ba7 – Carlstedt,J – Smith,B
05: Game 4 – Four Knights: 2.g3 Nf6 3.Bg2 Nc6 4.Nc3 Bc5 5.Nf3 d6 6.0-0 0-0 7.e3 – Grischuk,A – McShane,L
06: Game 5 – 2.g3 Nf6 3.Bg2 c6 4.d4 Bb4+ – Reinderman,D – Van Oosterom,C
07: Game 6 – 2.g3 Nf6 3.Bg2 h6 – Collutiis,D – Rambaldi,F
08: Game 7 – 2.g3 Nc6 3.Nc3 f5 4.Nf3 Nf6 5.d4 e4 6.Nh4 – Eichhorn,A – Turov,M
09: Game 8 – 2.g3 Nf6 3.Bg2 c6 4.d4 exd4 5.Qxd4 Na6 – Collins,S – Fitzsimons,D
10: Game 9 – 2.g3 Nf6 3.Bg2 c6 4.d4 exd4 5.Qxd4 d5 – Romanishin,O – Polugaevsky,L
11: Game 10 – 2.g3 c6 3.d4 e4 4.Bg2 d5 5.Nc3 Nf6 6.Bg5 – Marin,M – Pedersen,N
12: Game 11 – 2.g3 Nc6 3.Nc3 g6 4.Bg2 Bg7 5.e4 f5 – Smejkal,J – Kurajica,B
13: Game 12 – 2.g3 Nc6 3.Nc3 g6 4.Bg2 Bg7 5.e4 Nf6 – Wirthensohn,H – Weindl,A
14: Game 13 – 2.g3 Nc6 3.Nc3 g6 4.Bg2 Bg7 5.e4 Nge7 – Leon Hoyos,M – Chirila,I
15: Game 14 – 2.g3 d6 3.Bg2 f5 – Dearing,E – Zelic,M
1.c4 c5 Symmetrical English
16: Game 15 – g6, Bg7 with e5, Nge7 – Ghaem Maghami,E – Sadorra,J
17: Game 16 – g6, Bg7 with e6 – Jobava,B – Kovacevic,A
18: Game 17 – Dragon setup: g6, Bg7 with Nf6 – Gulko,B – Khalifman,A
19: Game 18 – Dragon setup: g6, Bg7, d6, a6 – Laznicka,V – Skacelik,P
20: Game 19 – g6, Bg7, Nh6 – Papin,V – Popilsky,G
21: Game 20 – Nc6, e6, Nf6 – Short,N – Aroshidze,L
22: Game 21 – Maroczy Bind reversed (Rubinstein system): 2.g3 Nf6 3.Bg2 d5 – Kramnik,V – Timofeev,A
Others
23: Game 22 – King’s Indian – Johansen,D – Rej,T
24: Game 23 – King’s Indian with c5 main line  – Georgescu,T – Jianu,V
25: Game 24 – Gruenfeld 5…Nb6 – Cornette,M – Jolly,J
26: Game 25 – Gruenfeld 5…Nxc3 – Huebner,R – Savon,V
27: Game 26 – Leningrad Dutch – Chatalbashev,B – Kadric,D
28: Game 27 – Stonewall Dutch – Kotsur,P – Aitbayev,A
29: Game 28 – Classical Dutch – Mah,K – Williams,S
30: Game 29 – Queen’s Gambit Declined: 1.c4 Nf6 2.g3 e6 3.Bg2 d5 4.Nf3 Be7 5.0-0 0-0 6.b3 – Dominguez Perez,L – Lysyj,I
31: Game 30 – Queen’s Gambit Declined: 1.c4 Nf6 2.g3 e6 3.Bg2 d5 4.Nf3 dxc4 5.Na3 Bxa3 6.bxa3 0-0 7.Bb2 – Ghosh,D – Shyam,S
32: Game 31 – Slav: 1.c4 c6 2.g3 d5 3.Bg2 Nf6 4.Nf3 Bf5 Barcza Variation – Portisch,L – Smyslov,V
33: Game 32 – Slav: 1.c4 c6 2.g3 d5 3.Bg2 Nf6 4.Nf3 dxc4 5.0-0 Nbd7 6.Qc2 Qd5 7.b3 – Kuljasevic,D – Zufic,M
34: Game 33 – Slav: 1.c4 c6 2.g3 d5 3.Bg2 Nf6 4.Nf3 Bg4 – Swinkels,R – Padeiro,J
35: Game 34: 1.c4 b6 – Sehner,N – Schmitzer,K
Test positions
36: Position 1
37: Position 2
38: Position 3
39: Position 4
40: Position 5
41: Position 6
42: Position 7
43: Position 8
44: Position 9
45: Position 10
46: Position 11

Wie man dem Inhaltsverzeichnis entnehmen hat Lorin D’Costa sehr viele verschiedene Systeme mit einbezogen, die teilweise auch in den Bereich Nebenvarianten fallen könnten. Beim Durchsehen der DVD habe ich vor allem die Trilogie von GM Mihail Marin im Hinterkopf behalten, der vor einigen Jahren einen bahnbrechenden Erfolg mit seinen drei Repertoirebüchern gefeiert hat! Seitdem hat sich der Aufbau mit 2.g3 zur Hauptwahl vieler Spieler etabliert und wurde nun auch von Lorin D’Costa für die Empfehlung seines Englischrepertoires gewählt. Es gibt einige interessante Möglichkeiten von Schwarz, die Weiß durch die Wahl von 2.g3 anstelle von 2.Sc3 oder 2.Sf3 umgehen kann.

Da die oben erwähnten Werke von GM Marin als Standardliteratur für die Englische Eröffnung angesehen werden, wollte ich ursprünglich einen vollständigen Vergleich zwischen der DVD und den Büchern ziehen. Leider ist dies aus Platzgründen verworfen worden und deshalb konzentriere ich mich hierbei auf ein paar allgemeine Empfehlungen des Autors, die als eine Art “Update” zu Marins Büchern angesehen werden können und die auch einige Lücken schließen, die erst seit kurzem aufgekommen sind.

Was mir sofort sehr positiv aufgefallen ist war die Tatsache, dass der Autor die jüngst von GM Bologan auf seiner Chessbase-DVD empfohlene Empfehlung Variante im …e5 System, 1.c4 e5 2.g3 Sf6 3.Lg2 h6!? für Schwarz ebenfalls bedacht hat und einen Vorschlag anbringt. Ich selber habe diese Variante bereits mit beiden Farben auf dem Brett gehabt und ich fand es mit Schwarz immer sehr angenehm, sollte ich meine Hauptidee, dem Abtausch auf c3 mit der Verdopplung der Bauern, ausüben dürfen. Umso mehr hat mich der Vorschlag von Lorin D’Costa überrascht, diese Idee durch 5.Sf3 einfach zu erlauben. Die Stellung ist immer noch sehr komplex nach dem Tausch, aber die Partie trägt einen sehr strategischen Charakter, in dessen Verlauf man definitiv mit den verschiedenen Plänen für beide Seiten, sowie Motiven und taktischen Tricks vertraut sein sollte. Wie immer gilt, der bessere Spieler mit dem besseren Verständnis um die Stellungstypen sollte den Ausschlag für den Ausgang der Partie geben! Als Referenzpartie dient hier die Begegnung Collutiis,D – Rambaldi,F.

Die zweite Überraschung für mich kam mit der Empfehlung gegen die vertauschte Drachenvariante 1.c4 e5 2.g3 Sf6 3.Lg2 d5. Wer sein Repertoire auf das von Marin abgestimmt hat bekommt von D’Costa eine Alternativlösung vorgeschlagen, die das Stellungsbild völlig verändern kann. Die Empfehlung lautet e2-e3, gefolgt von Sge2 und einem späteren f2-f4, um den e5-Bauern zu beseitigen und einen zusätzlichen Zentrumsbauern sowie die halboffene f-Linie zu haben. Ein sehr interessantes Konzept, welches von keinem geringeren als der Nr. 1 in Amerika, GM Hikaru Nakamura gespielt wurde! Seine Begegnung mit GM Navara dient hierbei als Musterpartie und zeigt deutlich, wie schnell man gegen diese Idee unter die Räder kommen kann.

Dem theoretischen Teil folgt ein Test mit Beispielstellungen, in denen Sie gefragt sind Ihr Wissen um die neuen Stellungsbilder unter Beweis zu stellen. Sehr lehrreich sind hierbei die Kernstellungen, die aus den Hauptvarianten entstehen können. Die Englische Sprache sollte hierbei kein großes Hindernis darstellen, da der Autor sehr deutlich spricht, auch wenn das Tempo ab und an mal nach oben geht.

Diese DVD dürfte auf ein sehr breites Publikum abzielen. Für Anfänger ist sie gut geeignet, um einige schnelle Aufbauten mit Weiß nach 1.c4 zu lernen und für den Fortgeschrittenen als Erweiterung bzw. Inspiration für sein bestehendes Repertoire.

 

Lukas Wedrychowski

DailyChess.org – www.dailychess.org

 

Diese DVD wurde freundlicherweise zu Rezensionszwecken von der Firma Chessbase zur Verfügung gestellt.

“The Sicilian Taimanov-Scheveningen” von GM A. Ramirez (Chessbase 2014)

Was tun, wenn man mit Schwarz gegen 1.e4 ganz dringend auf Gewinn spielen möchte? Wie geht man dabei überhaupt vor? Soll man warten, bis der Gegner in einer symmetrischen Struktur einen Bauern oder gar eine ganze Figur einstellt? Soll man die gegnerische Kondition auf die Probe stellen und die Partie in die 5.-6. Stunde ziehen, um zu sehen, wer als Erstes vom Stuhl kippt? Wenn Sie auf die letzten beiden Fragen mit ‘Nein’ geantwortet haben, dann bleibt nur ein bewährtes Mittel: Spielen Sie die Sizilianische Verteidigung!

Selbstverständlich ist das überspitzt gesagt. Man kann durchaus mit anderen Eröffnung den vollen Punkt einfahren, ohne auf die oben genannten Fälle zu warten. Jedoch bietet die Sizilianische Verteidigung einen großen Vorteil, den viele andere Eröffnungen vermissen. Um auf Gewinn spielen zu können, muss man Vorteile anhäufen. Das geschieht in der Regel entweder durch Materialgewinn oder aber durch bessere positionelle Faktoren (z.B. offene Linie, Bauernstruktur etc.). Damit man mit Schwarz auf Gewinn spielen kann, ohne dabei den Patzer bzw. die Ausdauer des Gegenübers mit einzubeziehen, muss man das Gleichgewicht stören, da in einer symmetrischen Stellung beide Parteien in der Regel die selben Pläne teilen. Diese Gleichgewichtsstörung wird in der Sizilianischen Verteidigung bereits relativ früh provoziert.

1.e4 c5

Bereits mit seinem ersten Zug sagt Schwarz: “Wenn du deinen Bauern nach d4 stellen willst, dann wird sich mir die c-Linie öffen, auf der ich später mein Spiel generieren kann.

Durch diese Öffnung, die im sogenannten “Offenen Sizilianer” geschieht, können wir bereits sehr früh eine Störung des Gleichgewichts feststellen:

2.Sf3 e6!? (eine Möglichkeit unter vielen) 3.d4 cxd4 4.Sxd4

 

Nun können wir ganz klar sehen, dass beide Seiten unterschiedliche, jeweils begünstigende, Faktoren besitzen. Weiß hat die d-Linie halboffen und Schwarz die c-Linie (halboffen, weil noch ein Bauer auf der anderen Seite steht, sonst wäre sie offen). In der Regel konzentriert Weiß seinen Druck entlang der d-Linie und spielt später am Königsflügel mit f2-f4 etc. (wieder ein Abspiel unter vielen), während Schwarz versucht, den Druck gegen den c-Bauern zu erhöhen. In der Regel steht da ein Springer, der zunächst vertrieben werden muss. Wenn nicht mit Figuren, dann mit Bauern. Der Aufzug …b7-b5 gehört zu den klassischen Motiven des Sizilianers, mit der Schwächen freigelegt werden sollen. Man kann hierbei auch von einem “Minoritätenangriff” sprechen.  Somit zeigt sich bereits der dynamische Kampf der Eröffnung. Im 4. Zug bereits ist eine Stellung auf dem Brett erreicht, deren Charakter eindeutig zweischneidig ist und beiden Seiten Chancen einräumt. Das ist einer der Gründe, warum diese Eröffnung auf allen Leveln so beliebt ist.

Doch nun zu meinem Hauptthema: ”The Sicilian Taimanov-Scheveningen” von GM A. Ramirez

Auf seiner neuen DVD präsentiert der Großmeister ein Schwarzrepertoire mit genau jener Eröffnung, die einen so guten Ruf genießt, dass sie von jedem Spitzenspieler in den Top 10-50 angewandt wird. Die Frage jedoch ist, welches System wählt man als Empfehlung für Schwarz? Die Najdorf-Variante und die Sveshnikov-Variante sind beides sehr theoretische Abspiele, die unglaublich gute Vorbereitung abverlangen und nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Seit etwa Mitte letzten Jahres habe ich meine Präferenzen auch etwas umgestellt. Als ich vor ein paar Jahren am Brett schockiert feststellen musste, dass mein Gegner bis zu seinem 24. Zug die Theorie runtergeblitzt hat, habe ich radikal umgeschwenkt und mir ein System gesucht, welches auf Klubniveau nicht ganz so häufig vorkommt, aber am Brett, unter Engineausschluß und unter Einbezug eines normalen Spielers, schwer zu spielen ist, da ungewöhnliche Ungleichgewichte und Motive vorliegen, die den Gegner zum Umdenken zwingen. Eben jenes System ist die Taimanov Variante der Sizilianischen Verteidigung. Die Grundstellung entsteht nach den Zügen:

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 Dc7

taimanov dc7

Über diese Stellung möchte ich nicht zu viel verraten, das wird mir der Großmeister auf seiner DVD ausreichend abnehmen. Was ich jedoch sagen möchte ist, wie flexibel die Wahl von GM Ramirez ist. Die Taimanov Variante gehört, im Gegensatz zur Drachen- bzw. Najdorfvariante, zum …e6 Komplex der Sizilianischen Verteidigung. Die Taimanov-Variante ist zudem sehr gut mit der Scheveningen-Variante (Bauern auf e6 und d6) und der Kan-Variante erweiterbar. In der Tat macht es häufig Sinn, sich einige Abspiele der verwandten Systeme anzusehen, da es in gewissen Situationen ratsam sein kann (wie zahlreich auf der DVD zu sehen), in ein anderes System überzuleiten, dabei aber die kritischen Fortsetzungen zu umgehen.

Ramirez in action

Was mir vor allem sehr positiv aufgefallen ist, ist die Kompetenz des Autors, die schwierigen Sachverhalte und Nuancen der Sizilianischen Stellung einfach und klar auf den Punkt zu bringen, so dass praktische jeder etwas aus dieser DVD ziehen kann. Die DVD setzt zwar voraus, dass man sich bereits etwas mehr mit Schach beschäftigt hat und über die reinen Grundkenntnisse hinausgewachsen ist, aber die Strukturierung des Materials und die Erklärungen machen es kinderleicht, das besprochene System in das eigene Repertoire mit aufzunehmen.

Die DVD besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil behandelt die wichtigen Abspiele der Taimanov Variante und zeigt eine Übersicht über die empfohlenen Varianten auf, die als ein kurzes Briefing vor der Partie nützlich sein dürfte und der zweite Teil den Übergang zum Scheveningen System, welches z.B. die Empfehlung gegen die klassische Le2 Variante ist. Abschließend finden Sie Testfragen zu den einzelnen Stellungen, die sie mit dieser DVD studiert haben und die Ihr Wissen um den Stellungstyp auf die Probe stellen werden. Sollten Sie die Fragen richtig beantworten können, dürfte einem Einsatz der Taimanov-Variante in Ihrer nächsten Partie nicht mehr viel im Wege stehen.

taimanov

Eine ganz klare Empfehlung für ambitionierte Klubspieler und besonders an jene, die seit Jahren irgendwo zwischen 1400-1700 festhängen und eine Eröffnung suchen, die nicht nur ideal gegen stärkere Gegner ist, sondern besonders eine nervenzerreibende Waffe gegen schwächere Spieler darstellt, da sie sie vor praktische Probleme stellt, die sie nicht gewohnt sind.

 

Lukas Wedrychowski

DailyChess.org – www.dailychess.org

 

Diese DVD wurde freundlicherweise von der Firma Chessbase zur Verfügung gestellt.

DailyChess.org empfiehlt in Sachen Schach die Firma Schach Niggemann!

“Moderne Klassiker” Band 1 + 2 von Vlastimil Hort und Helmut Pfleger (Chessbase)

“Moderne Klassiker” Band 1 + 2 von Vlastimil Hort und Helmut Pfleger (Chessbase)

Inhalt (Band 1)

• Videospielzeit:6 Std. 48 Min. (Deutsch)
• Interaktiver Abschlusstest mit Videofeedback
• Mit CB 12 – Reader

Inhalt (Band 2)

• Videospielzeit:7 Std. 29 Min. (Deutsch)
• Interaktiver Abschlusstest mit Videofeedback
• Mit CB 12 – Reader

 

Die beiden Großmeister Vlastimil Hort und Helmut Pfleger sind in der Schachszene und ganz besonders in der Deutschen Szene kein ungeschriebenes Blatt. Die beiden Schachfreunde, die zu den stärksten Spielern der Welt zählten, haben sich im Laufe Ihrer Leben mehrmals um die Popularisation des Schachsports verdient gemacht. So waren sie beide Teil einer Schachsendung im Fernsehen, in der die beiden Großmeister Partien analysierten und dem Publikum näher brachten. Dabei standen meiner Meinung nach immer zwei Aspekte im Vordergrund: Spaß und Entertainment

Schach soll Spaß machen und Schach soll auch unterhalten können, wenn man sich etwas entspannen will. Schach ist ein großartiges Spiel, bei dem man mit Kraft und Leidenschaft dabei sein sollte, wenn man sich verbessern möchte. Dabei sollte man immer den Spaßfaktor aufrechterhalten, egal wie mühsam die Arbeit auch sein mag. Denn was wir gern machen, das machen wir besser. In dieser Hinsicht brauchen Sie beim Präsentieren von Partien bzw. Trainingsinhalten immer jemanden, der auch selber einen großen Spaß an dem Sport hat. Man muss die Leidenschaft hinter den Worten spüren können, sich aber auch auf die schachliche Qualifikation des Präsentators verlassen können. Aber eine Schachpartie sollte nicht nur trocken runteranalysiert werden, sondern auch mit Anekdoten und Humor versehen werden, damit der Zusehende nicht die Lust an ihr verliert. Jede Partie ist etwas wertvolles und sollte genauso behandelt werden, dass sie einen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Dieses Gefühl und die Merkmale, die ich oben beschrieben habe, hatte ich bei jeder einzelnen Partie auf dieser DVD.

“Moderne Klassiker” ist ein gemeinsames Werk der beiden Großmeister Hort und Pfleger und ist im Grunde eine Art Fortsetzung von GM Helmut Pflegers “Die schönsten Partien der Schachgeschichte”. Eine Reihe von ausgewählten Partien werden von der Eröffnung, über das Mittelspiel bis hin zum Endspiel analysiert und auf die wesentlichen Merkmale hin untersucht. Jedoch liegt der Fokus nicht rein auf der analytischen Ebene von Zügen und Ideen, sondern auch auf dem großen Erfahrungs- und Wissensschatz der beiden Kommentatoren. Als ehemalige Speerspitze Ihrer Generation sind beide kampferprobte Veteranen, welche die komplexe Materie des Schachspiels verstehen und aufgrund Ihrer langjährigen Erfahrung im Fernsehen und als Kommentatoren das Wissen gekonnt an den Mann bringen können.

Moderne Klassiker - Pfleger - Tal

 

Pfleger 1

Zahlreiche Anekdoten bereichern die insgesamt 27 Partien und stellen sicher, dass der Spaßfaktor an oberster Stelle stehen. Höchst unterhaltsam nehmen die beiden Profis den Zuschauer mit auf eine Reise durch die Schachgeschichte und zeigen auf, dass das Studium von klassischen Partien keineswegs eine träge oder gar unnütze Arbeit ist.

Doch nun zu den einzelnen Partien. Im ersten Band werden Sie Partien der jüngeren modernen Schachgeschichte vorfinden (Zeitraum 1940-1978), die von eben jenen Spielern der damaligen Zeit gespielt wurden: Petrosian, Spassky, Polugaevsky, Fischer, Tal etc. Selbstverständlich sind die für diese Zeit legendären Turniere (Zürich 1953 und Reykjavik 1972 [WM]) ebenfalls enthalten und werden durch die Anmerkungen der beiden Großmeister bereichert. In diesem Band finden Sie auch Partien der beiden Kommentatoren, die gegen einen Großteil der damaligen Weltelite angetreten sind und die Kraft und Stärke der Meister am eigenen Leib spüren durften.

Hier ein Ausschnitt einer meiner Lieblingspartien -

R.J. Fischer gegen Boris Spassky, Reykjavik 1972

Moderne Klassiker

 

Weiß hat gekonnt Schwächen in der schwarzen Struktur geschaffen und macht sich drauf und dran, diese anzugreifen. Sollte ihm das gelingen, werden die beiden Bauern auf e5 und f4 zu einer unbändigen Kraft, die dank der guten Stellung des Turmes auf f1 gen 8. Reihe marschieren werden. Eine höchst imposante Partie des Amerikanischen Großmeisters, der verdient die Weltmeisterkrone an sich riss und die Schachwelt, bis zu seinem Rückzug aus dem Profischach, dominierte.

Der zweite Band schlägt folglich die Brücke zwischen den beiden Bänden und verbindet die Partien der Prä-Computerära mit der modernen Neuzeit, die zweifelsohne von Computervorbereitung geprägt ist. Im zweiten Band finden sich Partien der modernen Künstler wie GM Kramnik, GM Anand, GM Carlsen, GM Ivanchuk und Leko wieder. Der Weltmeisterschaftskampf zwischen Kramnik und Leko 2004 hat mit gleich zwei Partien Einzug gefunden und wird von den beiden Kommentatoren köstlich präsentiert. Mit interessanten Informationen rund um die Weltmeisterschaft angereichert, sind die beiden Partien ein voller Genuss. Allerdings ist die WM 2004 nicht die einzige, die man hier auf der DVD finden wird. Eine der Schlüsselpartien zwischen dem WM Kampf Kramnik – Anand in Bonn ist ebenfalls zu finden. Diese WM war für den ehemaligen Weltmeister aus Indien der absolute Durchbruch in seiner Karriere, als er sich die unangefochtene Schachkrone sicherte und den eisernen Wladimir bezwang. Für alle Liebhaber der Meraner Variante sei diese Partie wärmstens ans Herz gelegt.

Aus dem zweiten Band ist mir folgende Stellung noch am Stärksten in Erinnerung geblieben. Ich bin mir sicher, dass sie so manch einer erkennen dürfte:

anand carlsen pfleger 2

 

Das ist die Schlussstellung der 9. Partie des WM Kampfes Anand – Carlsen, Chennai 2013. In dieser Stellung mit Sage und Schreibe zwei Damen für Schwarz, ist die Stellung bei korrektem Spiel wohl Remis! Anand, der mit dem Rücken zur Wand stand, brauchte unbedingt einen Motivationsschub. Und nachdem der WM Kampf zu Beginn noch verhältnismäßig gut für ihn lief, kippte die Waagschale langsam zu Gunsten von Magnus Carlsen. Dem folgten einige Niederlagen, die sehr ermüdend gewesen sein mussten. Diese Partie schien der Wendepunkt zu sein, bei der der Norweger kurz vor Titelgewinn noch einmal in die Defensive geraten ist. Weiß hat gewisses Gegenspiel durch den Turm und die Dame. Doch das Problem ist, dass er eben beides für seinen Angriff braucht. Die zweite Dame ist momentan nicht sehr nützlich, da sie Weiß nicht bedrängen kann und Schwarz den Angriff von Weiß die ganze Zeit im Hinterkopf behalten muss. Anand zog hier mit dem Springer nach f1, wonach Magnus Carlsen den Vorzug einer Mehrdame zeigte. Ich meine mich zu erinnern, dass GM Levon Aronian irgendwann in einem Interview meinte, dass der einzige Vorteil einer Mehrdame ist, diese gegen was anderes zu opfern. Genau das ist auch hier der Gewinngedanke für Schwarz! Schwarz möchte den weißen Turm aus dem Spiel nehmen und somit die weißen Hoffnungen begraben. Nach Sf1?? De1! kann der Turm nicht nach h4, da die Dame sich sofort auf ihn schmeißen würde!

Wenn Sie noch mehr dieser Schmuckstücke genießen wollen, dann empfehle ich Ihnen die beiden DVDs. Mir hat GM Pfleger mit seiner damaligen Reihe den Spaß am Schach gebracht und die Leidenschaft für das Spiel entfesselt und ich hoffe, dass das bei Ihnen ebenfalls der Fall sein wird.

 

Lukas Wedrychowski

DailyChess.org – www.dailychess.org

 

“Gewinnen gegen Grünfeld” von Mihail Marin (Chessbase)

“Gewinnen gegen Grünfeld” von Mihail Marin (Chessbase)

Frame Marin Grünfeld

Inhalt:

• Videospielzeit: 4 Std. 50 min (Deutsch)
• Interaktives Abschlusstest mit Video-Feedback
• Exklsuive Datenbank mit 50 Muster-Angriffspartien
• Mit CB 12 – Reader

 

 

Thema meiner heutigen Rezension ist die DVD von GM Mihail Marin, in der er eine Repertoireempfehlung für Weiß gegen Grünfeld vorschlägt. Dabei setzt der Großmeister auf die verhältnismäßig ruhige Variante mit Sf3 und Le3. Dieses Abspiel war lange Zeit der Hauptvariante mit Lc4 und Sge2 nachgestanden, erlangte aber vor einigen Jahren wieder neue Anhänger, die mit neuen Ideen aufkamen und dem Abspiel Leben einhauchten. Weiß begann zu realisieren, dass es in den Hauptvarianten kaum Vorteil zu holen gibt und das Risiko, bei einem kleinen Ausrutscher bereits etwas schlechter zu stehen, nicht in Relation zur Gewinnerwartung steht, die sich viele mit Weiß erhoffen. Während meines Studium der Schachgeschichte habe ich festgestellt, dass ein neuer Weltmeister immer auch einen neuen Trend einführte. So erlangte die Variante mit Sf3 und Le3 (bzw. das Le3-System) nach dem WM Kampf 2000 in London, bei der GM Wladimir Kramnik den langjährigen Dauerkönig GM Garry Kasparow besiegte, an Ansehen und wurde seitdem zu einem festen Bestandteil so manch eines Großmeisters!

Doch für wen ist die Variante gedacht? Wer wird sich in den entstehenden Stellungen wohl fühlen und wer eher weniger? Zunächst sei gesagt, dass es sich hierbei um das Le3-System handelt. Die theoretischen Dateien drehen sich um die Aufstellung mit Sf3 – Le3 – Dd2 und dann entweder Tc1 oder Tb1. Zwischen den Zügen gibt es einige kleine Nuancen, jedoch teilen sich alle Abspiele mit Sf3 und Le3 ein Merkmal: Sie können alle relativ schnell zu einem Endspiel führen

Grünfeld Marin - Endspielstellung

Das ist etwas, das man sich unbedingt vor Augen führen muss, wenn man plant diese Variante zu spielen. Techniker, die lieber Stellungen wie Kramnik und Carlsen kneten, bis der Gegner unter leichtem Druck zusammenbricht, werden diese Variante lieben und für die würde ich meine absolute Empfehlung aussprechen. Für jene, die lieber auf Angriff und aktives Figurenspiel mit Chancen auf einen Königsangriff haben (wie in der Lc4 Hauptvariante), der wird hier eher nicht auf seine Kosten kommen, da eine der Hauptvarianten gegen die Empfehlung von GM Marin der Übergang in ein schnelles Endspiel ist. Nun kann man sich selbstverständlich fragen, ob man Weiß einen psychologischen Vorteil zusprechen kann, da Grünfeldspieler ja häufig aktives Spiel bevorzugen, mit einer Dame, die aktiv ins Geschehen eingreift und in der Hauptvariante die Damen sehr früh vom Brett verschwinden. Diese Frage kann ich leider nicht beantworten. Alles was ich sagen kann ist, dass die entstehenden Stellungstypen genug Spiel bieten, um ohne großes Chaos einen Gegner überspielen zu können. Weiß besitzt gewissen Druck, den Schwarz gekonnt neutralisieren muss, wenn er nicht von den weißen Bauern überrannt werden möchte.

Doch nicht nur die Varianten überzeugen, sondern auch und vielleicht sogar vor allem die Erklärungen! Mihail Marin ist der Autor einer Reihe heißbegehrter und renomierter Bücher! Jeder, der “Beating the Open Games” und “Grandmaster Repertoire 1.c4″ gelesen und studiert hat weiß, dass dieser Mann die seltene Gabe hat, komplexe Materie so an den Mann zu bringen, dass es Anfänger wie auch starke Spieler gleichzeitig anspricht! Auf dieser DVD wird das von mir bereits oben angeführte Endspiel in seine Einzelteile zerlegt und dann ausführlich analysiert. Es werden typische Stellungen herangezogen, die aus den Musterpartien von GM Wladimir Kramnik (RUS) stammen, die dann wiederum auf taktische Tricks, strategische Ideen und beidseitige Pläne hin durchleuchtet und erläutert werden. Dabei legt der Großmeister sehr viel wert auf das Verständnis der Stellung und untermauert seine Ideen und Erklärungen mit Beispielpartien der Weltelite. So können Sie auf der weißen Seite Spielern wie GM Wladimir Kramnik und GM Anatoly Karpow folgen, während auf der schwarzen Seite Grünfeldexperten GM Peter Svidler, GM Garry Kasparow und GM Fabiano Caruana ihr Bestes geben, um die schwarze Stellung in dieser lehrreichen Endspielvariante zusammenzuhalten.

Am Ende folgt noch eine Testreihe, bei der Sie mit Sicherheit bravourös abschneiden dürften, sollten Sie den Videoclips stets gefolgt sein und sich in den entstehenden Positionen wohl fühlen.

Die DVD kann sowohl in Englisch wie auch in Deutsch studiert werden. Die kommentierten Partien hingegen liegen meist in englischer Sprache vor.

Von meiner Seite eine klare Empfehlung für Endspielliebhaber und jene, die zurzeit das Endspiel näher studieren (z.B. mit GM Müllers Endspielreihe) und eine Eröffnung suchen, die praktisch aus der Eröffnungsphase in ein Endspiel mündet.

Lukas Wedrychowski
DailyChess.org – www.dailychess.org 

Zwei ungleiche Geschwister

Endlich ist es wieder soweit. Ich habe den nächsten Stapel Bücher abgehandelt und kann nun wieder dem Schreiben widmen! Heute geht es um zwei Bücher aus dem Hause Quality Chess, die zwar nicht direkt zusammen gehören – das eine Buch ist Teil einer Serie von GM Aagaard, während das andere ein eigenständiges Buch ist – jedoch in Ihrer Aufmachung und von Ihrer Qualität her an eineiige Zwillinge erinnern. “GM Preperation – Endgame Play” von GM Aagaard (2014) und “Mating the Castled King” von GM Gormally (2014) sind die beiden Titel, die heute von mir auf ihren Gehalt hin überprüft werden…

“Grandmaster Preperation – Endgame Play” von GM Jacob Aagaard ist der fünfte Teil einer langen Buchreihe, die darauf ausgelegt ist, hochqualitatives Trainingsmaterial zu den verschiedensten Teilbereichen im Schach (Variantenberechnung, Strategisches Spiel, Positionelles Spiel, Endspiel etc.) anzubieten. Material, welches nicht nur sorgfältigst ausgewählt, sondern auch von Experten analysiert worden ist. Viele Großmeister haben bereits ein positives Feedback zu diesen Büchern abgegeben und meine eigene Einschätzung dieser Buchreihe lautet ebenfalls: Gold wert!

Doch was genau verbirgt sich hinter den 376 Seiten? Was genau macht dieses Buch so großartig, die Idee dahinter einen solchen Publikumsmagnet? Zum einem ist es der sehr ambitionierte und hochgesetzte Serientitel, zum anderen der hochkarätige Autor. Großmeister Vorbereitung impliziert bereits, dass das Buch mit all seinen Serienkollegen einen jeden Spieler auf das Level eines Großmeisters bringen kann. Ich kann Ihnen guten Gewissens sagen, dass sie nach dem Durcharbeiten der Bücher sicherlich kein Großmeister sein werden oder aber auch auf dem Level spielen werden. Dazu benötigt es sicherlich ein wenig mehr, als eine Buchreihe von 6 Büchern. Doch die Techniken, die hier vermittelt werden sind jene, die von Großmeistern angewendet werden und die allesamt Teil eines Trainingsprogramms sind, die selbst Meisterspieler an ihre Grenzen bringen wird.

Die Aufgaben in dem Buch sind teilweise sehr schwer. Es finden sich einige “Paradebeispiele”, aber der wahre Kern des Buches besteht aus Aufgaben, die einen jeden Spieler aufs Äußerste fordern dürften. Das Buch konzentriert sich auf alle zentralen Aspekte des Endspiels: von Bauernendspielen, über leichte Endspiele bis hin zu komplexeren.

Dabei können die Aufgaben in zwei Gruppen aufgeteilt werden: Konkret und Strategisch

Konkret bedeutet in diesem Fall, dass es eine Lösung gibt, die durch pure Rechenkraft herausgefunden werden kann. Diesen Aufgabentyp decken z.B. die Bauernendspielaufgaben in dem Buch ab. Den eher strategischen Charakter, bei der die Endlösung nicht gefunden werden muss, sondern lediglich die richtige strategische Entscheidung, findet man hingegen bei dem Rest der Aufgaben.

Der Schwierigkeitsgrad beruht nicht nur auf der Tatsache, dass man wesentlich tiefer rechnen muss als es in normalen Übungsbüchern der Fall ist, sondern auch, dass hier gerade die Ungewissheit bei manchen Aufgaben den praktischen Charakter und den praktischen Wert der Aufgaben ausmachen!

Das Werk folgt dem für die Reihe üblichen Schema: Theorie – Test

Im Theorieteil werden wichtige, teils fortgeschrittene Ideen angeführt, die der Leser auf alle Fälle verinnerlichen sollte. Diese Ideen, seien es neue oder bereits bekannte, bilden den Leitfaden für die späteren Übungsaufgaben, für die man sich wirklich Zeit nehmen sollte.

Die meisten Aufgaben stammen aus den Partien der letzten Jahre und zeigen Spitzenspieler wie Carlsen, Aronian etc. in Aktion! Aber auch große Strategen der älteren Generation haben einen Platz in dem Buch gefunden. So dürfen Sie GM Boris Gelfand über die Schulter schauen, wenn es an das komplexe Thema der strategischen Endspiele geht.

Dieses Buch ist ein würdiger Bestandteil dieser großartigen Serie und der Autor zeigt ein weiteres Mal, dass er sein Handwerk beherrscht und dass er nicht umsonst als einer der weltbesten Autoren und Trainer gehandelt wird.

Höchste Empfehlung und eine absolute Rüge für jeden, der dieses Buch ausschlägt! Ein absolutes Muss für jedes ernsthafte Schachstudium!

 

 

Das zweite Buch, “Mating the Castled King” von GM Danny Gormally (dt. Mattsetzen des rochierten Königs) gehört nicht zur GM Preperation Reihe von GM Aagaard, ist aber nicht weniger interessant und wertvoll für das Verständnis eines jeden Schachspielers. Auf ein Buch wie dieses habe ich lange gewartet. Eine schöne und ordentlich strukturierte Sammlung von Motiven und Ideen zum Thema Angriffsspiel. Es gibt meiner Meinung nach zwei Typen von Lehrnern: Die, die anhand von Beispielpartien lernen und die, die eine Übersicht an Motiven benötigen, um das Maximum herauszuziehen. Ich sehe mich selber gerne als Spieler der zweiten Kategorie. Selbstverständlich ist das ganze personenabhängig und manch ein Anderer wird mit dieser Methode nicht klar kommen, aber ich selber liebe es einfach, Material schön aufbereitet vorgesetzt zu bekommen und dieses dann wie einen Schwamm aufsaugen zu können. Genau diesem Konzept folgt das mir vorliegende Buch.

Der Autor präsentiert zahlreiche verschiedene Themen, die allesamt darauf ausgelegt sind, dem gegnerischen König an den Kragen zu gehen. Zur Übersicht folgt das Inhaltsverzeichnis:

Contents
Key to Symbols used 4
Preface 5
Chapter 1 – A Few Helpful Ideas 7
Chapter 2 – 160 Mating Finishes 16
Bishop Clearance 17
Back-rank Mate 22
Bishop and Knight 30
Breakthrough on the g-file 40
Breakthrough on the b-file 49
Destroying a Defensive Knight 54
Breakthrough on the h-file 63
Dragging out the King 79
Exposing the King 97
Greek Gift Sacrifice 102
Queen and Bishop 116
Queen Breakthrough to h7 126
Rook and Bishop 136
Kingside Fianchetto 145
Rook and Knight 158
Mate in the Corner 167
Mate on the h-file 169
Queen and Knight 175
Smothered Mate 181
Two Rooks 185
Chapter 3 – Pawns and Pieces 189
Chapter 4 – Breakthrough with Pieces 205
Chapter 5 – Breakthrough with Pawns 259
Chapter 6 – Typical Pawn Breakthroughs 301
Chapter 7 – Conclusion and Exercises 320
Name Index 330

Wie Sie unschwer erkennen können, sind die wichtigsten Motive sauber voneinander getrennt und in die einzelnen Schritte eines Königsangriffs aufgeteilt. So sind nicht nur wichtige Mattmotive anzutreffen, sondern auch jene Ideen, die den gegnerischen Bauernwall, der bekanntlich dem Schutz des Königs dient, zerstören sollen und den gegnerischen Monarchen an die “frische Luft” treiben sollen, an der er dann letztendlich erlegt werden soll.

Vom Layout her erinnert das Buch sehr an die GM Preperation Reihe von GM Aagaard (ebenfalls Quality Chess). Erst folgt die Theorie und dann vertiefende Übungen, die alle Schwierigkeitsstufen abdecken dürften. So kann es gut sein, dass Sie für eine Aufgabe eine Minute benötigen, während sie für eine andere zehn oder  sogar 20 Minuten sitzen. Aber egal wie lange Sie dafür auch benötigen, der Nutzen wird gleichermaßen groß sein. Sie werden mit diesem Buch nicht nur Ihre Variantenberechnung verbessern, sondern auch das nötige Gefühl für die Initiative und den aggressiven Umgang mit Angriffsmaterial entwickeln.

Eine tolle Sammlung von Materialien zum Thema Angriff und das wohl wichtigste Werk für Spieler, die Großmeister wie G. Kasparov und V.Topalov mit ihrem dynamischen und angriffsgeprägten Stil  als Vorbilder haben!

Uneingeschränkte Empfehlung für Spieler jeglicher Stärke, auch wenn für ein frustfreies Training eine Spielstärke von 1900+ nicht schaden könnte.

 

Lukas Wedrychowski

DailyChess.org – www.dailychess.org

 

Diese Rezensionsexemplare wurden freundlicherweise von der Firma Schach Niggemann zur Verfügung gestellt.

Zwei Repertoirebücher von Chess-Stars!

Die heutige Rezension beschäftigt sich mit zwei kürzlich erschienen Büchern aus dem Hause Chess-Stars. Chess-Stars mag nicht viele Bücher publizieren, die gewählte Auswahl jedoch besticht durch eine klare Linie und hochkarätigen Autoren! So darf der Verlag Spitzenspieler wie GM Alexei Dreev, GM A. Delchev, V. Malaniuk, GM Kiril Georgiev etc. unter seinem Banner vereinen, die den aktuellen Stand auf höchstem Level kennen und gemäß ihrer Erfahrung das Material auswählen können.

Meinen Fokus lege ich heute auf folgende zwei Bücher, die ich in gerne auf ihren Inhalt hin untersuchen möchte und gegebenenfalls mit ein paar Beispielanalysen untermauern möchte. Dabei will ich bei den folgenden Büchern ein wenig über die Gestaltung der Bücher, sowie die vorgeschlagenen Varianten sprechen.

  • A Practical White Repertoire with 1.d4 and 2.c4 – The Nimzo-Indian and Other Defences – Volume 3” von GM Alexei Korneev
  • The most flexible Sicilian” von GM A.Delchev and S. Semkov

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A Black Repertoire Against The Two Knights by Robert Ris (Chessbase 2014)

A Black Repertoire Against The Two Knights by Robert Ris (Chessbase 2014)

 

In jüngster Zeit hat die Italienische Eröffnung (1.e4 e5 2.Sc3 Sc6 3.Lc4) an Beliebtheit dazugewonnen. Dies liegt zum größten Teil darin begründet, dass Weiß die typischen “Knet”-Stellungen aus der Spanischen Partie mittels des modernen d2-d3 erreichen möchte, auch wenn er dabei ein Tempo verlieren sollte. Dieser Aufbau scheint besonders effektiv gegen die schwarze Antwort 3…Lc5 zu sein, da Schwarz den Zug d2-d3 nicht unmittelbar bestrafen kann. Zudem leistet der Zug 3…Lc5 nichts unmittelbares zum schwarzen Gegenspiel bei, da nicht die nötigen Felder kontrolliert werden.

Dem will IM Robert Ris mittels der Variante 3…Sf6!? Abhilfe schaffen, indem er das Feld d5 unter direkte Kontrolle nimmt und Schwarz die Option eines schnellen …d7-d5 gibt. Die Frage, die sich nun stellt ist: “Warum spielen 3…Sf6 folglich nicht alle Spieler?

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GM Repertoire 17 – The Classical Slav, Boris Avrukh, Quality Chess, 432 Seiten

 

 

GM Repertoire 17 – The Classical Slav, Boris Avrukh, Quality Chess, 432 Seiten

Großmeister Boris Avrukh ist der Trendsetter schlechthin. Vor einigen Jahren hat er mit seinem Weißrepertoire mit 1.d4 einen Boom augelöst, den man auf Weltelite immer noch verfolgen kann und auf Klubebene noch nicht ausgeklungen ist. Aber auch seine Werke zur Grünfeld Verteidigung und zu den Damenbauernsystemen (Trompowsky, Torre, Colle, Londoner System) schlugen ein wie eine Bombe und wurden von vielen Seiten hoch gelobt.

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